Dienstag, 26. Februar 2008
Freispruch für Samuel Eto`o - Jetzt!
Madrid, cabrón, saluda al campeón
Am 16. Mai 2005 feierten Spieler und Zuschauer im Camp Nou den ersten Meistertitel nach sechs Jahren. Jeder Spieler sagte ein paar Sätze ins Mikrofon: Allgemeines, belangloses - eine wirklich eher fade und langweilige Angelegenheit bis Samuel Eto`o dran war, der dann das mittlerweile berühmte „Madrid, cabrón, saluda al campeón“ - „Madrid, Du Sch...verein, grüß den Meister“ - ins Mikrofon rief. Siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=rVu4QXQeK-U
Damit ist nicht Madrid die wunderbare Kapitale Spaniens gemeint die knapp drei Jahre den faschistischen Truppen Francos widerstand sondern Madrid, el Madrid, Real Madrid, welches umgangssprachlich Madrid heißt und nicht Real liebe Kommentatoren von Premiere und DSF.
Lediglich den cabrón, den Sch...verein, leider aber eben auch übersetzbar als A... oder auch als gehörnter (Ehemann), hätte sich Samuel wirklich sparen können.
Der spanische Fußballverband bestraft Samuel Eto`o wegen Anstacheln zur Gewalt und zum Hass. Dafür muss er jetzt 12.000€ Strafe zahlen.
Zweierlei Maß
Was aber passiert denn mit Rassismus der im spanischen Ligabetrieb seit ein paar Jahren immer wieder auftritt?
Rassistischen Gesänge und Affengeräusche gehören in einigen Stadien zur Tagesordnung und das vor allen gegen Samuel Eto`o. Besonders extrem in Zaragoza, Getafe, bei Atletico Madrid und – Überraschung – bei Real Madrid. In der Regel bewegen sich hier die Strafen im Bereich von 600€ bis 3.000€.
Außerdem war die königliche spanischen Fusßballföderation nicht in der Lage eine harte Strafe gegen den Verbandstrainer Luis Aragones auszusprechen als dieser während eines Trainings den damaligen Arsenal-Spieler Thierry Henry als „negro de mierda“ („Scheißneger“) bezeichnete. Aragones kam mit 3.000€ davon.
Es wird hier ganz klar mit zweierlei Maß gemessen. Das ist logisch so. Der königliche spanische Fußballverband wird von Figuren geleitet, die politisch am rechten Rand der selbst schon erzreaktionären PP stehen. Diese Leute verstehen jeden Angriff auf Real Madrid als einen Angriff auf das barocke Spanien, das monarchische, katholische, chauvinistische, rassistische und antisemitische Spanien – ein Angriff der überdies noch aus dem republikanischen, revolutionären sezessionistischen Barcelona kommt, von einem schwarzen Spieler.
Deswegen musste Samu bestraft werden.
Und die Zukunft?
Noch im Sommer dieses Jahres stehen Wahlen im königlichen spanischen Fußballverband an. Die Modernisierer haben sich auf einen Kandidaten geeinigt - Allemany, Ex-Präsident des RCD Mallora. Sollte dieser gewinnen wünscht man sich, das er das Strafmaß bei Rassismus ausschöpft und den Vereinen Punkte abgezogen und Stadien gesperrt werden.
Samuel wird die Strafe wohl locker zahlen.
Bleibt zu hoffen das Samuel noch bei der einen oder anderen Meisterfeier zugegen sein wird und seine Grüße nach Madrid zu Real Madrid schicken kann, vielleicht nennt er die Madridistas diesmal nicht A... oder Sch...verein sondern weit weniger polemisch einfach nur Faschisten.
Quellen:
http://www.youtube.com/watch?v=rVu4QXQeK-U
http://www.bbc.com/sport/
Wikipedia (deutsch, spanisch, englisch)
Mittwoch, 6. Februar 2008
Die Weltauswahl der Diktatoren und Kriegstreiber
Leo Franco, Atletico Madrid, Tormann
Stuart Taylor, Aston Villa, Ersatztormann
Andreas Hinkel, Celtic Glasgow, Verteidiger
Jose Antonio Noriega, Morelia, Mittelfeld
Mohammad Amin, Al-Ittihad, Mittelfeld
Leandro Somoza, Real Betis Balompie, Mittelfeld
Fernando Varela, RCD Mallorca, Mittelfeld
Al-Saadi Gaddafi, Sampdoria Genua, Mittelfeld
Roberto Soldado, Real Madrid CF, Angreifer
Claudio Pizzaro, Chelsea London, Angreifer
Besart Berisha, FC Burnley, Angreifer
Savo Milosevic, Panathinaikos Athen, Angreifer
Edinaldo Batista, VfL Wolfsburg, Angreifer
Ranko Despotovic, Real Murcia, Angreifer
Trainer: Jose Mourinho, arbeitslos
Co-Trainer: Cornelius Pot, Zenit Leningrad
Stuart Taylor, Aston Villa, Ersatztormann
Andreas Hinkel, Celtic Glasgow, Verteidiger
Jose Antonio Noriega, Morelia, Mittelfeld
Mohammad Amin, Al-Ittihad, Mittelfeld
Leandro Somoza, Real Betis Balompie, Mittelfeld
Fernando Varela, RCD Mallorca, Mittelfeld
Al-Saadi Gaddafi, Sampdoria Genua, Mittelfeld
Roberto Soldado, Real Madrid CF, Angreifer
Claudio Pizzaro, Chelsea London, Angreifer
Besart Berisha, FC Burnley, Angreifer
Savo Milosevic, Panathinaikos Athen, Angreifer
Edinaldo Batista, VfL Wolfsburg, Angreifer
Ranko Despotovic, Real Murcia, Angreifer
Trainer: Jose Mourinho, arbeitslos
Co-Trainer: Cornelius Pot, Zenit Leningrad
Samstag, 2. Februar 2008
Freitag, 1. Februar 2008
Die gefährlichen Wahlbekanntschaften des Diego M.
Sein Herz sei mit dem iranischen Volk und Mahmud Ahmadinejad möchte er dringend kennen lernen, nach dem er schon mit Fidel und Hugo befreundet ist, so Diego Armando Maradona im Dezember 2007. Getroffen hat Diego Ahmadinejad noch nicht, aber sein Trikot hat er schon mal nach Teheran geschickt. Mit solchen Äußerungen und Handlungen macht sich Diego Armando Maradona nicht nur Freunde. In Argentinien gilt das Verhältnis zum Iran seit dem 18. Juli 1994 als sehr problematisch. An diesem Tag explodierte eine Bombe im jüdischen Wohlfahrtszentrum (AMIA). Der Gebäudekomplex wurde vollständig zerstört und 85 Personen getötet. Von Anfang an bestand ein Verdacht gegen den Iran und die Hisbollah. 12 Jahre Untersuchungen konnten die Verdachtsmomente erhärten und Nestor Kirchner, auch von Maradona mit einem Trikot beschenkt, hat den Iran im Jahre 2006 öffentlich den Attentates beschuldigt.
Sergio Burstein, Mitglied des Verbandes der Opfer des AMIA-Attentates erkläre kürzlich: „Den iranischen Präsidenten mit diesem Trikot zu sehen ist eine Beleidigung, es schmerzt. An den Händen die dieses Trikot empfangen haben klebt Blut. ... Maradona kann sich nicht hinstellen und sagen er mache keine Politik. Er will nicht verstehen was er da macht.“
Doch Maradona versteht sehr gut was er da macht. Maradona hat schon immer Politik gegen die da oben (und auch die Amis oder die FIFA) gemacht. Er behauptet dann immer er will nur ein bisschen provozieren. Dazu muss man sich auch als Osama bin Laden verkleiden.
Aber was kann man schon von einem erwarten, der Che und Evita auf die Arme tätowiert hat? Dummes Gerede!
P.S.: Dass Evita Peron den "descamisados" („Hemdlosen“), also der Organisation zur politischen Unterstützung von Juan Perón, vorstand, ist natürlich ein Treppenwitz der Geschichte. Bleibt zu hoffen, dass Diego sein letztes Hemd verschenkt hat.
Sergio Burstein, Mitglied des Verbandes der Opfer des AMIA-Attentates erkläre kürzlich: „Den iranischen Präsidenten mit diesem Trikot zu sehen ist eine Beleidigung, es schmerzt. An den Händen die dieses Trikot empfangen haben klebt Blut. ... Maradona kann sich nicht hinstellen und sagen er mache keine Politik. Er will nicht verstehen was er da macht.“
Doch Maradona versteht sehr gut was er da macht. Maradona hat schon immer Politik gegen die da oben (und auch die Amis oder die FIFA) gemacht. Er behauptet dann immer er will nur ein bisschen provozieren. Dazu muss man sich auch als Osama bin Laden verkleiden.
Aber was kann man schon von einem erwarten, der Che und Evita auf die Arme tätowiert hat? Dummes Gerede!
P.S.: Dass Evita Peron den "descamisados" („Hemdlosen“), also der Organisation zur politischen Unterstützung von Juan Perón, vorstand, ist natürlich ein Treppenwitz der Geschichte. Bleibt zu hoffen, dass Diego sein letztes Hemd verschenkt hat.
Sonntag, 12. August 2007
Deutschland auf Touren
„In der ganzen Lebensgeschichte
eines Volkes ist sein heiligster Augenblick,
wo es aus seiner Ohnmacht erwacht…
Ein Volk, das mit Lust und Liebe die Ewigkeit,
seines Volkstums auffaßt,
kann zu allen Zeiten sein Wiedergeburtsfest
und seine Auferstehung feiern.“
Friedrich Ludwig Jahn
„Auch du, Zabel!“ Die Schlagzeile der „Bild“ vom 25. Mai diesen Jahres ist nur scheinbar ein Einspruch gegen die Behauptung Elke Wittichs (jungle-world), dass die deutschen „Medien-Experten“ sich unermüdlich als Vorkämpfer gegen Doping präsentierten, sich empörten über Lücken bei den Kontrollen der Tour: „Man zählte bei jedem Fahrer statt sportlicher Erfolge eventuelle Verdachtsmomente auf und war nur in einem Punkt ganz sicher: Die Fahrer von T-Mobile waren allesamt sauber. Im Gegensatz zu allen anderen. Ein ZDF-Reporter teilte die Radler an einem der ersten Renntage in »die Deutschen und die Verdächtigen« ein.“ Dass Zabel durch seinen kleinen Sohn („Ich verzeihe ihm“, „Bild“, ein Tag später) öffentlich am Pranger vorbeigeführt wurde, spielt eine Rolle, aber keine große. Für das Zusammenführen der Volksgemeinschaft ist vielmehr entscheidender, dass die „verführten deutschen Radsportler“, „nicht immer alles wissend“ in den „Dopingsumpf“ gestolpert sind, aus dem sie sich nun durch öffentliche Selbstgeißelung wieder zu befreien trachten.
Insofern ist der den künstlich verkomplizierten gesellschaftlichen kapitalistischen Verhältnissen etwas dumpf gegenüberstehende Deutsche, der leicht in die „modernen Fallen“ zu tappen droht, ein in dieser Logik zwingend aufzurufendes Topoi, zumal es am Gegenpart nicht mangelt:
Der „dopingverseuchte, kalte“, geradezu entmenschte „amerikanische Radsport-Roboter“ (alles FAZ) Lance Armstrong, und seine Nachfolger vom Team Discovery Channel. Immerhin, nicht jede Karte wird gespielt, denn gelernt ist gelernt: Levi Leipheimer wird „nur“ mit dem unbestimmten, sehr vorsichtig geäußerten Verdacht belegt, mit dem italienischen Sportmediziner Michele Ferrari zusammengearbeitet zu haben. Aber genauer ist es auch nicht nötig, wissend kann sich der geneigte Fernsehzuschauer mit dem Rest der Meute ankumpeln.
Da sind sie alle versammelt, die im Untergrund und im Schatten Agierenden, die seltsam und vor allem weltweit Vernetzten, die den „sauberen Sport zerstören“, und denen irgendwie dennoch so richtig niemand an den Karren fahren kann, da windige Anwälte und dubioses Gebaren der Fahrer letztlich doch immer vor der gerechten Strafe schützen: nicht mal der Ausschluss aus der sporttreibenden Gemeinschaft mag gelingen.
Dabei sind die Geschütze deutscher Bauart doch schon längst aufgefahren:
Der Abbau selbst grundlegender bürgerliche Rechte für Radfahrer (DNS-Proben, nächtliche Polizei-Überfälle in Hotelzimmer, Datensammlungen, Bewegungsprotokolle und vieles mehr) wird sicher auch anderswo gefordert. Aber nirgends sonst wird so leise widersprochen, wie in diesem elenden Land.
Da werden Berufsverbotsforderungen für dopende Sportler laut in einem Land, das traditionell den euroweit niedrigsten Krankenstand aufweist; unter zu Hilfenahme sämtlicher im Fachhandel erhältlicher Pharmazeutika, auch hier führt die BRD im Pro-Kopf-Verbrauch in Europa: „Einer muss doch die Arbeit machen!“
Der sportpolitische Sprecher der Bundes-Grünen, Winfried Hermann forderte sogar hohe Geld- und Haftstrafen für Dopingsünder. Schließlich sei klar, dass „Sport erstens ein Beitrag zur Gesundheit ist und zweitens ein Sozialisationsinstrument und Bildungsmittel zur Erlernung von Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit unter fairen Bedingungen.“ Wer die ideologische Liaison von Neoliberalismus mit dem deutsch-völkischen Schmodder Turnvater Jahns noch genauer studieren will, lese nach unter, hm, ja wo eigentlich?
Jede ernsthafte Beschäftigung mit Sport im allgemeinen und Leistungssport im besonderen muss sich darüber im Klaren sein, dass die Regeln des Sports die Werte und Normen einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft widerspiegeln. Wer also vom Sport das Saubere und Reine erwartet, als das er gerne hingestellt wird, übersieht die Wurzeln und die Funktion des Sports. Wer auch nur einmal ernsthaft ein Fußballspiel betrachtet, egal ob in der Champions League oder in der Amateurliga – immer geht es auf die Knochen, und zwar mit Absicht. Denn nur der Sieg zählt. Das Brimborium um die Olympischen Spiele – Dabeisein ist Alles – dient nur dazu, den Schein zur Wirklichkeit zu verklären.
Und da aber in Volksdeutschland die Uhren ein bisschen anders ticken, als anderswo, zählt hier nicht der pfiffige Sieg des Einzelnen, des Herausragenden, über die anderen Einzelnen, sondern es geht um den Sieg der Gemeinschaft über die anderen. Und da sind wohl noch Wunden offen. Schon dumm, dass das mit den Weltkriegen nicht geklappt hat. Immerhin, in der öffentlich rechtlichen Sportberichterstattung gibt es kein halten mehr, da wird zur Tradition, was Tradition sein muss: Die heutige Deutschlandtour hat demzufolge ihre Vorläufer in der „Großdeutschlandfahrt.“ Schlag nach bei Wikipedia: „Einigkeit besteht bei den Chronisten darüber, dass es zwischen 1937 und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 zu gut organisierten und spannenden Deutschland-Rundfahrten kam.“ Überraschung: gut organisiert. Aha. Immerhin waren sich die (vermutlich vielen) Chronisten einig. Völlig unproblematisch, so scheints, dass diese "Deutschland-Fahrt" durch große Teile Polens und Österreich führte, dass jüdische Fahrer außen vor blieben, und dass, wenn sie Glück hatten, sie selbst für internationale Teams nicht im Reich starten durften. Aber da wolln wir mal nicht kleinlich sein, schließlich geht’s um „sauberen Sport.“ Es wird ein Rätsel der „Klasse der Sportjournalisten“ (Schmidt) bleiben, was zwischen der Tour und dem Deutschlandgefahre passiert ist: Das Wort „Doping“ jedenfalls scheint den Übertragungsstop-Radikalinskis der ARD/ZDF abhanden gekommen zu sein.
Vielleicht gelingt ja heute, was damals wegen der blöden Verwicklungen in den zweiten Weltkrieg nicht funktionierte: Den Giro und die Tour und die Vuelta als wichtigste Radsportereignisse zu verdrängen. Naja, und wenn es wieder nicht klappt, dann wissen wir, nein sorry, die Volksgemeinschaft auch warum: warum wohl?
eines Volkes ist sein heiligster Augenblick,
wo es aus seiner Ohnmacht erwacht…
Ein Volk, das mit Lust und Liebe die Ewigkeit,
seines Volkstums auffaßt,
kann zu allen Zeiten sein Wiedergeburtsfest
und seine Auferstehung feiern.“
Friedrich Ludwig Jahn
„Auch du, Zabel!“ Die Schlagzeile der „Bild“ vom 25. Mai diesen Jahres ist nur scheinbar ein Einspruch gegen die Behauptung Elke Wittichs (jungle-world), dass die deutschen „Medien-Experten“ sich unermüdlich als Vorkämpfer gegen Doping präsentierten, sich empörten über Lücken bei den Kontrollen der Tour: „Man zählte bei jedem Fahrer statt sportlicher Erfolge eventuelle Verdachtsmomente auf und war nur in einem Punkt ganz sicher: Die Fahrer von T-Mobile waren allesamt sauber. Im Gegensatz zu allen anderen. Ein ZDF-Reporter teilte die Radler an einem der ersten Renntage in »die Deutschen und die Verdächtigen« ein.“ Dass Zabel durch seinen kleinen Sohn („Ich verzeihe ihm“, „Bild“, ein Tag später) öffentlich am Pranger vorbeigeführt wurde, spielt eine Rolle, aber keine große. Für das Zusammenführen der Volksgemeinschaft ist vielmehr entscheidender, dass die „verführten deutschen Radsportler“, „nicht immer alles wissend“ in den „Dopingsumpf“ gestolpert sind, aus dem sie sich nun durch öffentliche Selbstgeißelung wieder zu befreien trachten.
Insofern ist der den künstlich verkomplizierten gesellschaftlichen kapitalistischen Verhältnissen etwas dumpf gegenüberstehende Deutsche, der leicht in die „modernen Fallen“ zu tappen droht, ein in dieser Logik zwingend aufzurufendes Topoi, zumal es am Gegenpart nicht mangelt:
Der „dopingverseuchte, kalte“, geradezu entmenschte „amerikanische Radsport-Roboter“ (alles FAZ) Lance Armstrong, und seine Nachfolger vom Team Discovery Channel. Immerhin, nicht jede Karte wird gespielt, denn gelernt ist gelernt: Levi Leipheimer wird „nur“ mit dem unbestimmten, sehr vorsichtig geäußerten Verdacht belegt, mit dem italienischen Sportmediziner Michele Ferrari zusammengearbeitet zu haben. Aber genauer ist es auch nicht nötig, wissend kann sich der geneigte Fernsehzuschauer mit dem Rest der Meute ankumpeln.
Da sind sie alle versammelt, die im Untergrund und im Schatten Agierenden, die seltsam und vor allem weltweit Vernetzten, die den „sauberen Sport zerstören“, und denen irgendwie dennoch so richtig niemand an den Karren fahren kann, da windige Anwälte und dubioses Gebaren der Fahrer letztlich doch immer vor der gerechten Strafe schützen: nicht mal der Ausschluss aus der sporttreibenden Gemeinschaft mag gelingen.
Dabei sind die Geschütze deutscher Bauart doch schon längst aufgefahren:
Der Abbau selbst grundlegender bürgerliche Rechte für Radfahrer (DNS-Proben, nächtliche Polizei-Überfälle in Hotelzimmer, Datensammlungen, Bewegungsprotokolle und vieles mehr) wird sicher auch anderswo gefordert. Aber nirgends sonst wird so leise widersprochen, wie in diesem elenden Land.
Da werden Berufsverbotsforderungen für dopende Sportler laut in einem Land, das traditionell den euroweit niedrigsten Krankenstand aufweist; unter zu Hilfenahme sämtlicher im Fachhandel erhältlicher Pharmazeutika, auch hier führt die BRD im Pro-Kopf-Verbrauch in Europa: „Einer muss doch die Arbeit machen!“
Der sportpolitische Sprecher der Bundes-Grünen, Winfried Hermann forderte sogar hohe Geld- und Haftstrafen für Dopingsünder. Schließlich sei klar, dass „Sport erstens ein Beitrag zur Gesundheit ist und zweitens ein Sozialisationsinstrument und Bildungsmittel zur Erlernung von Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit unter fairen Bedingungen.“ Wer die ideologische Liaison von Neoliberalismus mit dem deutsch-völkischen Schmodder Turnvater Jahns noch genauer studieren will, lese nach unter, hm, ja wo eigentlich?
Jede ernsthafte Beschäftigung mit Sport im allgemeinen und Leistungssport im besonderen muss sich darüber im Klaren sein, dass die Regeln des Sports die Werte und Normen einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft widerspiegeln. Wer also vom Sport das Saubere und Reine erwartet, als das er gerne hingestellt wird, übersieht die Wurzeln und die Funktion des Sports. Wer auch nur einmal ernsthaft ein Fußballspiel betrachtet, egal ob in der Champions League oder in der Amateurliga – immer geht es auf die Knochen, und zwar mit Absicht. Denn nur der Sieg zählt. Das Brimborium um die Olympischen Spiele – Dabeisein ist Alles – dient nur dazu, den Schein zur Wirklichkeit zu verklären.
Und da aber in Volksdeutschland die Uhren ein bisschen anders ticken, als anderswo, zählt hier nicht der pfiffige Sieg des Einzelnen, des Herausragenden, über die anderen Einzelnen, sondern es geht um den Sieg der Gemeinschaft über die anderen. Und da sind wohl noch Wunden offen. Schon dumm, dass das mit den Weltkriegen nicht geklappt hat. Immerhin, in der öffentlich rechtlichen Sportberichterstattung gibt es kein halten mehr, da wird zur Tradition, was Tradition sein muss: Die heutige Deutschlandtour hat demzufolge ihre Vorläufer in der „Großdeutschlandfahrt.“ Schlag nach bei Wikipedia: „Einigkeit besteht bei den Chronisten darüber, dass es zwischen 1937 und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 zu gut organisierten und spannenden Deutschland-Rundfahrten kam.“ Überraschung: gut organisiert. Aha. Immerhin waren sich die (vermutlich vielen) Chronisten einig. Völlig unproblematisch, so scheints, dass diese "Deutschland-Fahrt" durch große Teile Polens und Österreich führte, dass jüdische Fahrer außen vor blieben, und dass, wenn sie Glück hatten, sie selbst für internationale Teams nicht im Reich starten durften. Aber da wolln wir mal nicht kleinlich sein, schließlich geht’s um „sauberen Sport.“ Es wird ein Rätsel der „Klasse der Sportjournalisten“ (Schmidt) bleiben, was zwischen der Tour und dem Deutschlandgefahre passiert ist: Das Wort „Doping“ jedenfalls scheint den Übertragungsstop-Radikalinskis der ARD/ZDF abhanden gekommen zu sein.
Vielleicht gelingt ja heute, was damals wegen der blöden Verwicklungen in den zweiten Weltkrieg nicht funktionierte: Den Giro und die Tour und die Vuelta als wichtigste Radsportereignisse zu verdrängen. Naja, und wenn es wieder nicht klappt, dann wissen wir, nein sorry, die Volksgemeinschaft auch warum: warum wohl?
Montag, 30. Juli 2007
Zum 71. Todestag von Josep Sunyol (Präsident FC Barcelona 1935-1936)
Josep Sunyol (1898, Barcelona) begann seine Karriere im Vorstand des FC Barcelona 1928, kurioserweise unter dem monarchistischen Präsidenten Arcadi Balaguer. In dieser Zeit war Josper Sunyol schon in der politischen Linken aktiv (Izquierda Republicana), er war Unternehmer und Eigentümer und Herausgeber der Wochenzeitung “La Rambla”, die die Themen Sport und Gesellschaft verband.
Am 27. Juli 1935 wurde er zum Präsidenten des FC Barcelona gewählt. Sunyol gelang es innerhalb kurzer Zeit die Finanzen des Vereins in Ordnung zu bringen.
Am 6. August sollte er als Vertreter der Republik die republikanischen Truppen nahe Madrid besuchen. Dabei verfuhr sich der Chauffeur und Sunyol betrat die faschistisch kontrollierte Zone. Schnell wurde Sunyol identifiziert und verhaftet. Ohne Gerichtsverhandlung wurde er in Guadarrama füssiliert.
Erst Tage später wurde sein Tod in Barcelona bekannt. Bis zum Ende des Bürgerkireges trug eine Straße im Stadtteil Gracia seinen Namen.
Am 27. Juli 1935 wurde er zum Präsidenten des FC Barcelona gewählt. Sunyol gelang es innerhalb kurzer Zeit die Finanzen des Vereins in Ordnung zu bringen.
Am 6. August sollte er als Vertreter der Republik die republikanischen Truppen nahe Madrid besuchen. Dabei verfuhr sich der Chauffeur und Sunyol betrat die faschistisch kontrollierte Zone. Schnell wurde Sunyol identifiziert und verhaftet. Ohne Gerichtsverhandlung wurde er in Guadarrama füssiliert.
Erst Tage später wurde sein Tod in Barcelona bekannt. Bis zum Ende des Bürgerkireges trug eine Straße im Stadtteil Gracia seinen Namen.
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